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Der Gesang der Nachtigall

Adventskalender: Ein etwas anderer Brauch



Huhu ^^

schön, dass ihr heute hierher zum 5. Türchen gefunden habt. Ich möchte euch heute einen Brauch von meiner Heimatinsel etwas näher bringen ^^ Dieser Beitrag ist im übrigen nicht Feministinnen-geeignet. Und so wirklich versteht man es als Nicht-Borkumer wahrscheinlich auch nicht. Aber es ist nunmal einzigartig:
Als ich am überlegen war, was ich mit der Weihnachtszeit verbinde fiel mir sofort dieses Gedicht ein:


"Sünner Klaas du gaude Blaud, 
give mi nen Stückje Suckergaud, 
nei to vool an nei to min, 
schmiet man dor de Schornstien in, 
mit nen Endje Band daran, 
dat ick uk berecken kann" 
Und jetzt noch mal für alle, die des Plattdeutschen nicht mächtig sind bzw. mit meinem Versuch das ganze schriftlich wieder zu geben nichts anfangen können:

"Nikolaus, du guter Mann,
gib mir etwas Süßigkeiten,
nicht zu viel und nicht zu wenig,
schmeiß es durch den Schornstein,
mit einem Stück Band daran,
damit ich auch ran komme!"

(c) Borkumer Zeitung
Wir Kinder mussten dieses Gedicht immer dem Klaasohm aufsagen. Dafür haben wir dann Moppe bekommen, ein Honigkuchen-ähnliches Gebäck. Die Klaasohms (2 Kleine, 2 Mittlere und 2 Große mit Wifke) machen jedes Jahr vom 5. auf den 6. Dezember die Insel unsicher. Den Rest des Jahres schlafen sie unter dem großes Kaap, einem Seezeichen in den Dünen. Wenn sie sich dann nach einem Jahr Schlaf wieder sehen freue sie sich natürlich erstmal und tanzen miteinander und mit jedem, den sie sehen. Dann geht es aber richtig los: Sie kämpfen um die Herrschaft auf der Insel (und es dürfen nur Borkumer Männer zugucken...), gewinnen tun natürlich die großen Klaasohms. Klar. Wenn sie nicht gewinnen werden die Männer unter dem Helm ausgetauscht.
Und dann geht es los. Auf durch die Straßen und in die Häuser. Aber hier wird es für unvorsichtige Frauen unschön. Wenn die Klaasohms und ihre Begleiter eine junge Frau oder ein Mädchen auf der Straße sehen wird diese festgehalten und bekommt mit dem Kuhhorn eins auf den Allerwertesten. Schließlich ist es IHR Fest und Frauen haben da nichts zu suchen. Im Zweifelsfall hilft nur das nächstbeste Kind schnappen. Kleinkinder auf dem Arm machen sich besonders gut. Und Frau mit Kind hat nichts zu befürchten. Allerhöchstens einen Zuckerschock beim Kind, wenn es zu viel Moppe gibt. Das Zeug ist unglaublich süß.
Und am Ende springen die Klaasohms von einer Litfaßsäule in die Menge. Ab da hat dann auch niemand mehr was zu befürchten ;) Die "Herren der Schöpfung" gehen dann feiern und frau geht ins Bett, wenn sie da nicht schon längst angekommen ist. Ich haben meistens nur den "ungefährlichen" Teil mitgemacht und bin dann irgendwo in ein Haus in das die Klaasohms reinkommen. Da ist es sicher und außerdem auch viel gemütlicher als bei Kälte und meistens Regen oder Schnee auf der Straße. Es leben Glühwein und Punsch!
Es ist vorallem eins: Ein Fest von Insulaner für Insulaner. Viele Leute, die eigentlich nicht mehr auf Borkum wohnen kommen jedes Jahr extra deswegen wieder. Und es weiß ja auch jeder worauf er sich einlässt. Wer nicht mag bleibt halt zu Hause. Dieses Jahr würde es übrigens wegen der Orkanwarnung verschoben. Erstmal auf Freitagabend. Aber so lange noch Sturmflutalarm ist wird es nichts, schließlich müssen dann alle arbeitsfähigen Leute auf der Insel in der Lage sein Sandsäcke zu stapeln ;)
Und jetzt habe ich noch zwei Videos für euch ^^
Erstmal ein ganz kurzes wo ihr etwas "Klaasohm-Atmosphäre" schnuppern könnt ^^ Mir macht die Glocke im übrigens auch in der Sicherheit meines Zimmers Herzrasen ;)


Und damit jetzt wieder Weihnachtsstimmung aufkommt und die geschockten Gesichter weggehen:


Mein absolutes Lieblingsweihnachtslied ^^ Und die Sängerin gehört auch noch zu meinen Lieblingsmusikern ^^


Morgen öffnet sich das nächste Türchen bei Aleshanee auf Weltenwanderer.

Kommentare

  1. Interessanter Beitrag! Finde ich toll, wenn man so mal andere Bräuche kennenlernt :)
    Über "andere Bräuche" gehts auch morgen bei mir, allerdings sind diese schon etwas länger her *g*

    GLG, A. Weltenwanderer

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    1. Na da bin ich mal auf morgen gespannt ^^
      Ich warte ja eigentlich noch auf die entrüsteten Kommentare, wie frauenfeindlich das doch sei. Mal abwarten wie lange das dauert ;)

      LG
      Lena

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    2. Capitano di Liberi5. Dezember 2013 um 19:06

      Hab bisher alles gelesen aber noch keine Tür, hatte ein Geschenk für mich *g*

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  2. Diesen Brauch gibt es auch auf unserem Lieblings-Sandhaufen Ameland. Dort dürfen auch am 04. und 05. Dezember Frauen und Mädchen nach 17.00 nicht mehr auf die Straßen, da feiern die Ameländer "Sunneklaas" - und das Fest ist nur für die Ameländer, auch Touristen werden nicht verschont, wenn sie sich nicht daran halten...

    Liebe Grüße aus dem Saarland
    Susanne

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    1. Das wusste ich gar nicht. Nur das es auf den restlichen ostfriesischen Sandhaufen so etwas nicht gibt. Macht aber auch irgendwie Sinn, schließlich soll das angeblich aus der Walfänger-Zeit kommen. Borkum war ja die einzige ostfriesische Insel, die vom Walfang gelebt hat.
      Schön, dass du hergefunden hast ^^
      Liebe Grüße
      Lena

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  3. Das ist ja ein interessanter Beitrag!!! Du hast das so schön geschrieben, dass man die Atmosphäre gut nachfühlen kann. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man da als "Ausgewanderter" gern wieder kommt!
    Toll, dass Du uns an einem Stück Heimat teilhaben lässt!

    Liebe Grüße
    die Tintenelfe

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    1. Schön, dass ich etwas Interesse wecken konnte ^^ Es ist halt etwas sehr individuell und anders. Aber das sind wir Insulaner ja auch ^^

      Liebe Grüße
      Lena

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  4. Ist wirklich interessant, wusste gar nicht das es sowas gibt.
    Toller Beitrag.

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  5. Och, das darf man alles nicht so eng sehen, denn es ist doch "nur" ein Brauch und wer sich davon angestoßen fühlt, sollte der Insel einfach fernbleiben. Ich fand den Beitrag toll.
    GLG,
    Mel

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