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Rattenfänger zu Gast: Thomas Hussung

Rattenfänger zu Gast Thomas Hussung


Erinnert ihr euch noch an die Bücher aus eurer Kindheit? Die mit den vielen Bildern? Tja, Thomas Hussung sorgt für genau diese Bilder in Büchern. Er ist Illustrator, überwiegend für Kinderbücher und Spiele. Er hat zum Beispiel Das kleine böse Buch illustriert.
Ich durfte ihn ein wenig ausquetschen, wie es so ist Illustrator zu sein.


Wie bist du Illustrator geworden? Hast du schon immer gerne gemalt?
Ich kann mich zumindest an keine Zeit erinnern, in der das Malen keine große Rolle in meinem Leben gespielt hat. Mein erstes Medium waren Wachsmalstifte und meine ersten Sujets hauptsächlich Affen. Ich habe überall Affen hingemalt, mit einer Obsession die anscheinend so stark war, dass meine Kindergärtnerin es für nötig hielt mir öfters andere Motive vorzuschlagen. Aber wer will schon Kühe und Blumenwiesen malen, wenn man stattdessen Schimpansen, Orang-Utans und Gorillas malen kann?
Die nächste Phase begann dann etwas später mit der Entdeckung von Comics. Hauptsächlich Asterix, bei dem ich öfters ganze Panels abgezeichnet habe. Bis heute, kann ich noch alle Hauptfiguren aus dem Kopf zeichnen.
Meine Interessen sind dann immer mehr in Richtung Film gegangen. Wobei auch hier, durch die Beschäftigung mit Concept Art und Storyboards, eine starke Verknüpfung zum Zeichnen bestehen blieb.
Diese Verknüpfung war es dann auch, die mich nach einem gescheiterten Versuch ein Filmregie Studium aufzunehmen, wieder zum Zeichnen gebracht hat. In der Hoffnung irgendwann dann mal für einen Film Monster entwerfen zu dürfen, habe ich an der HTK in Hamburg ein Studium in Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Illustration aufgenommen.
Seit 2015 bin ich selbstständig und arbeite zwar nicht beim Film, aber darf stattdessen für Buchverläge die Monster entwerfen. Was auch nicht schlecht ist, vor allem weil die Menschen, im Gegensatz zu Concept Art, deine Arbeit auch tatsächlich zu Gesicht bekommen.

Kannst du kurz etwas darüber erzählen wie bei dir ein Bild entsteht?
Die Skizze entsteht meistens ganz klassisch mit Papier und Bleistift. Die wird dann eingescannt und auf mehreren Ebenen mit Photoshop „übermalt“. In letzter Zeit experimentiere ich auch gerne mit Wasserfarben und überarbeite das dann digital.

Fällt es dir leicht eine Idee für ein Bild zu bekommen?
Das kommt ganz darauf an. Manchmal ja, manchmal nein.

Thomas Hussung vor Regal mit Das kleine Böse Buch 2
Foto: Thomas Hussung privat
Was gefällt dir am Illustrator sein am Besten? Was ist das Nervigste?
Am besten gefällt mir, dass ich etwas erschaffe, das den Menschen hoffentlich Freude bereitet. Am nervigsten ist es den Zeitpunkt zu finden, an dem das Bild fertig ist. Ich könnte ewig an einem Bild rummalen und wäre nie 100% zufrieden. Auch sehr nervig ist es, sich seine Bilder nach der Veröffentlichung nochmal anzuschauen und Dinge zu finden, die man gerne anders gemacht hätte.

Welchen Illustrator (oder auch Künstler generell) würdest du gerne einmal treffen? Was würdest du sie oder ihn fragen? Zeitreisen sind für diese Frage übrigens grundsätzlich möglich.
Okay, also wenn Zeitreisen möglich sind würde ich gerne ins Italien der Renaissance. Da könnte ich dann nämlich nicht nur einen, sondern gleich mehrere tolle Künstler treffen. Spezielle Fragen hätte ich nicht, aber die würden bestimmt kommen wenn ich Michelangelo dabei zuschaue, wie er die Decke der sixtinischen Kapelle bemalt.

Hast du ein Vorbild oder eine große Inspiration?
Mein Lieblingsillustrator ist definitiv Gris Grimly. Sein Stil ist zugleich düster, lustig und poetisch. Die karikative Grobheit mit der er seine Figuren zeichnet steht im harten Kontrast zu der ätherischen Kolorierung mit Wasserfarben. Er fängt perfekt die schaurige Schönheit von Horror ein und gibt sie mit einem Augenzwinkern, kinderfreundlich wieder. Genau das, was ich mit meinen Illustrationen von Monstern und anderen Unholden auch erreichen will.
Weitere Illustratoren deren Werke ich bewundere sind Arthur Rackham, Frank Frazetta, Bernie Wrightson, John Bauer, Jean Baptiste Monge, Jim Kay, Sean Murray und John Howe.
Meine größte Inspirationsquelle sind aber nach wie vor Filme. Hier wäre vor allem Guillermo del Toro zu nennen. Man kann einen seiner Filme beinah an jedem beliebigen Zeitpunkt stoppen und hat ein Standbild voller Stimmung, Detailfülle und einem perfekten Bildaufbau.

Was ist dein Lieblingsbuch? Oder alternativ dein Lieblingsautor?
Mein Lieblingsbuch ist Harry Potter. Wenn ich mich aus der Serie für eins entscheiden müsste, dann wohl Die Kammer des Schreckens. Es ist zwar nicht unbedingt das spannendste oder originellste, aber es eignet sich gut als Blaupause für alle Harry Potter Bände. Die Welt ist schon etabliert, aber die Gesamthandlung der Serie noch nicht so weit fortgeschritten, dass sie die Handlung des einzelnen Buchs überschattet. Auch finde ich in diesem Teil die Mischung aus düsteren Themen und den magisch, schrulligen Momenten am ausgeglichensten.
Weitere Autoren die ich sehr gerne mag sind Stephen King, Murakami, H.P. Lovecraft, Douglas Adams, Walter Moers und natürlich Tolkien.

Als Harry Potter-Fan UND Illustrator hast du dich doch sicher auch mit den Covern beschäftigt. Welches ist denn nun das Schönste?
Mit den Harry Potter Covern habe ich mich nicht nur beschäftigt, weil ich die Bücher liebe, sondern auch weil sie sich gut zum Vergleich eignen, da es in nahezu jeder Sprache eine eigene Ausgabe gibt und von den meisten Sprachen dann auch verschiedene Versionen. Mit den deutschen Covern bin ich nie so wirklich warm geworden, auch wenn sie natürlich einen hohen nostalgischen Wert für mich haben. Die Cover der englischen Originalausgabe sind nur geringfügig besser. Hier stört mich vor allem der wechselnde Illustrator, auch wenn an den Illustrationen an sich nichts auszusetzen ist – von Band 7 jetzt vielleicht mal abgesehen.
Der amerikanischen Ausgabe haben wir, soweit ich weiß, den ikonischen Harry Potter Schriftzug zu verdanken, aber sonst kommen die Cover meiner Meinung etwas zu brav daher. Ganz und gar nicht brav hingegen ist die finnische Ausgabe mit Figuren die so große Nasen haben, als wären sie alle mit einem Schwellzauber belegt. Das Grinsen der Monstrosität auf Band 2, die wohl Gilderoy Lockhart darstellen soll, hat bestimmt so einigen finnischen Kindern Alpträume beschert. Apropos Alpträume: Google mal nach der dänischen Ausgabe von Band 4 und 6.
Sehr schön sind auch die schwedischen Cover, aber mit Abstand am besten gefallen mir die Illustrationen von Jonny Duddle auf der 20th anniversary Ausgabe der Originalversion. Für mich ist Harry Potter in erster Linie nämlich keine epische Fantasy Saga, sondern ein lustiges und liebenswertes Kinderbuch über eine seltsame Schule voller verschrobener Charaktere. Und das fängt Jonny Dudle mit seinen leicht cartoonhaften Figuren perfekt ein.
Die neuen deutschen Ausgaben gefallen mir übrigens auch sehr gut, auch wenn die Typographie für meinen Geschmack etwas zu viel Platz einnimmt. Die schlimmsten Cover – schlimmer noch sogar, als die Stockfootage Collagen der persischen Ausgabe - hat die sogenannte „Erwachsenenausgabe“ für Leute denen es peinlich ist ein Kinderbuch zu lesen. Solchen Leuten sollte man es verbieten überhaupt Kinderbücher zu lesen – da bin ich radikal! ;)

Du illustrierst nicht nur Bücher, du hast auch selbst zwei Kinderbücher (Der Brückentroll und Der Brückentroll und die Zugbrückenwärtertrollwohngemeinschaft) geschrieben. Wie war es deine eigenen Geschichten in Bilder umzusetzen?
Tatsächlich ist das gar nicht so viel anders. Klar hat man einen anderen Bezug zu den Figuren, weil es deine eigenen sind und du alles über sie weißt. Aber auch zu Figuren, die von jemand anderem entworfen wurden, baue ich schnell einen Bezug auf sobald ich sie zeichne. Der größte Unterschied besteht wohl darin, dass du das schreiben kannst, was du schon immer mal gerne malen wolltest. Für den Brückentroll hatte ich diese etwas düsteren an viktorianische Städte angelehnten Hintergründe im Kopf und dazu dann dieser Troll, der zugleich hässlich und niedlich sein sollte. Um diese Bilder herum habe ich dann meine Geschichte geschrieben. Aber selbst da, merkt man schnell, dass sich die Story eigenständig entwickelt und es ihr nicht gut tun würde, wenn man sie auf bestimmte Szenen, die man gerne illustrieren würde, hindrängt.

Was malst du am Liebsten?
Monster.

Kaffee oder Tee?
Kaffee!!! (Ich würde gerne noch mehr Ausrufezeichen machen, aber laut Terry Pratchett wäre dies ein sicheres Zeichen für einen kranken Geist.)

Sommer oder Winter?
Herbst.

Thomas im Netz:
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Instagram

Kommentare

  1. Hallo Lena!
    Ein sehr interessantes Interview! Es ist doch immer wieder spannend, die Menschen etwas kennenzulernen, die hinter bekannten Zeichnungen und Figuren stehen. Ich konnte iohn mir auch direkt im Kindergarten vorstellen, wie er seine Kindergärtnerin mit Affen aller Art zur "Verzweiflung" gebracht hat :D

    Liebe Grüße!
    Gabriela vom Buchperlenblog

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    1. Hallo Gabriela,

      Ich fand es auch sehr spannend mehr über Illustartionen zu erfahren.

      Liebe Grüße,
      Lena

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  2. Ich muss ja zugeben, dass ich mir bisher wenig Gedanken über die Illustration von Büchern gemacht habe. Ein sehr spannendes Interview! Ich werde mich auf jeden Fall mehr mit dem Thema beschäftigen. Da gibt es wahrscheinlich viel zu entdecken :)

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    1. Hallo Sina,

      ich auch nur so bedingt. Aber wenn man Menschen wie Thomas kennenlernt, kommt man halt nicht drum herum. Ein sehr spannendes Thema auf jeden Fall.

      Liebe Grüße,
      Lena

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  3. Ein interessantes Interview! Ich würde so gerne Zeichnen können, aber leider bekomme ich nur Strichmännchen hin. Musste auch erst einmal sofort das dänische Cover zu Band 4 googeln und meine Güte, die Wassermenschen werden ja richtig in Szene gesetzt. Ich bin mir nicht sicher, ob meine Mutter mir damals mit dem Cover das Buch gekauft hätte :D
    Liebe Grüße, Nadine
    #litnetzwerk

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  4. Danke für das Interview und dass du einen Illustrator vorstellst. Sie tragen so viel zur Stimmung von Büchern bei, dass sie wirklich öfter Erwähnung finden sollten!
    LG Kerstin
    #litnetzwerk

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  5. Ein super spannendes Interview. Ich muss zugeben, ich habe bis jetzt selten Beiträge gesehen, wo Illustratoren im Vordergrund standen - dabei bereichern sie die Bücher oftmals so sehr! Habe mich auch noch nie so wirklich mit den Unterschieden außeinandergesetzt - dafür habe ich gerade Harry Potter in den verschiedensten Sprachen gegooglet :D

    Liebe Grüße,
    Lisa
    #litnetzwerk

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  6. Hallo Lena,
    Danke für ein wirklich interessantes Interview. Ich muss gestehen, dass ich mich mit Illustratoren noch nie so wirklich beschäftigt habe. Ich mag ja total gerne die Illustrationen von Koelle Tourlonias, die auch die kleine Hummel Bommel illustriert.
    Hab ein schönes Wochenende
    LG
    Yvonne
    #litnetzwerk

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  7. Hey Lena,
    ein wirklich tolles Interview. Ich lese selten Bücher, wo Illustrationen drin sind. Deswegen finde ich das richtig arg interessant. <3

    Hab ein tolles Wochenende

    Ganz lieben Gruß
    Steffi

    #litnetzwerk

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  8. Hallo Lena,
    ein tolles Interview. Ich habe dabei festgestellt, dass ich mich unbedingt mehr mit Illustratoren beschäftigen sollte, schließlich lassen auch sie Bücher zum Leben erwecken.
    Natürlich musste ich jetzt auch nebenbei noch einen Blick auf die verschiedenen Cover für Harry Potter werfen und bin erstaunt wie unterschiedlich, die doch sind.
    Liebe Grüße
    Rika
    #litnetzwerk

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  9. Ein interessantes Interview, danke dafür. Es lässt mich darüber nachdenken, dass auch die Illustration von (Kinder-)büchern eine kulturelle Frage ist. Mir fällt das ja sehr bei us-amerikanischen YA-Fantasy-Büchern auf, wo mich die deutschen Cover oftmals überhaupt nicht ansprechen ...

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  10. Danke für dieses tolle Interview. Ich finde es immer wieder spannende, wie Illustratoren eine Geschichte in Szene setzen können.
    LG Kerstin

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