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Die Leseratte auf Bücherreise



Es gibt zwei Sorten Ratten:Die hungrigen und satten.Die satten bleiben vergnügt zu Haus,Die hungrigen aber wandern aus. Heinrich Heine

...und da die Leseratte Appetit verspürt (na klar, auf einer Buchmesse!) durchstreift sie die Regale, Stände und Bühnen auf der Suche nach einer literarischen Heimat auf Zeit, denn wirklich zu Hause ist sie doch nur in einem Buch. Ins Reihenhaus könnte man ziehen, zu Judith Hermann mit „Aller Liebe Anfang“ - aber da kommt man ja eigentlich eh schon her. In den Irak wird in letzter Zeit oft ausgewandert, zum „Islamischen Staat“ und der Roman von Sherko Fatah, das so beängstigend aktuell geworden ist, beschreibt die Gegend schon im Titel sehr treffend: „Der letzte Ort“.

Andererseits aber auch abschreckend, wenn man sich gleich zu Beginn mit Albert, diesem etwas naiven Idealisten aus der ehemaligen DDR ,in einem Holzverschlag und in Gefangenschaft einer islamistischen Terrorgruppe wiederfindet. Eigentlich war er in den Irak gekommen, um beim Wiederaufbau, der zerstörten und geplünderten Museen zu helfen. In der gemeinsamen Geiselhaft mit seinem Dolmetscher Osama zeigt sich aber wie tief die kulturellen Gräben sind, selbst wenn man sich bemüht, einander zu verstehen. Weltpolitik und eine fremde Kultur, das klingt nach einer Bildungsreise mit Abenteuergarantie – von einem Autor, dessen Fähigkeit Spannung aufzubauen oft mit der Robert Louis Stevensons verglichen wird.

Eine Alternative wäre eine Stippvisite nach Georgien – so hatte es die Autorin Nino Haratischwili zumindest geplant, geworden ist „Das achte Leben (Für Brilka)“ eine Odyssee durch das 20. Jahrhundert, das „alle verraten hat“. Inspiriert habe sie eine alte Villa in Tiflis, an der sie als Studentin oft vorbeigegangen sei, erzählt sie auf dem blauen Sofa des ZDFs. Sie habe sich vorgestellt, wie es gewesen sein könnte in dieser Villa zu leben und später gelesen, dass man im Garten Leichen gefunden habe – die Villa hat Lawrenti Berija, Stalins Geheimdienstchef, gehört. Haratischwili schildert eine georgische Familiengeschichte durch das gesamte Jahrhundert hindurch und verwebt deren Fäden, wie sie im Prolog schreibt, wie in einem Teppich mit der großen Geschichte, der Sowjetgeschichte und den beiden Georgiern, die sie geprägt haben: Stalin und jenem Lawrenti Berija, der in einer so schönen Villa gelebt hatte.

Und wenn man schon einmal da ist... Ein Sprung über die Grenze, schon ist man in Aserbaidschan. Von hier stammt Olga Grjasnowa und hier spielt auch ihr Roman „Die juristische Unschärfe einer Ehe“ - zumindest der zweite Teil. Der Anfang spielt dort, wo die Autorin heute lebt: in Berlin. Dort führen die Ballerina Leyla und der Psychiater Altai, beide stammen aus Baku und lebten lange in Moskau, eine Scheinehe im Exil. Die Familien dürfen nicht wissen, dass sie homosexuell sind. Als Leylas israelische Geliebte Jonoun in die eheliche Wohnung zieht, wird es jedoch kompliziert und
Leyla flüchtet nach Baku: in das Nachtleben der Nomenklaturakinder.
Grjasnowas Roman ist wie ihr Debut „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ eine scharfzüngige Abrechnung mit Vorurteilen und Verlogenheiten der westlich wie östlichen Welt, von der Toleranz des Hipster-Berlins, die eben doch nur jenen hilft, die sie sich durch immer höhere Mietkosten erkaufen können, bis zur Moralgesetzgebung des muslimischen Aserbaidschans, die aber auch nur jene betrifft, die arm und ohne Verbindungen zur Machtelite sind. Zwischen diesen Polen seziert sie eine Generation, die alle Möglichkeiten hat und doch versagt, weil sie aus Angst, die Erwartungen nicht zu erfüllen, vergessen hat, was ihre eigene Ziele sind. Am Ende ist Leyla schwanger – und man hat Angst um ihr Kind...

Vielleicht doch kein gemütliches Nest für eine Leseratte..? Sie wünschen sich mehr Zukunft? Mehr Optimus und unbegrenzte Möglichkeiten? Social Media und Second Life? Einen Digital-Native-Thriller in der coolsten Stadt der Welt? Dann sollten wir uns zu guter Letzt noch nach New York aufmachen, in eine Seitenstraße in Manhatten, die sich lediglich dadurch auszeichnet, dass in ihr noch „keine einzige Szene von Law & Order gedreht worden“ ist. Hier steht die Otto-Kugelblitz-Schule, benannt nach einem – natürlich fiktiven – Schüler Freuds, für den der Tod, die einzig denkbare Form geistiger Gesundheit war.

Willkommen in der Welt des Thomas Pynchon – von der man nie weiß, ob sie real oder ein Alptraum ist... „Bleeding Edge“ - benannt nach einem Term für experimentelle Anwendungen in der IT – spielt um 9/11 in New York und doch geht es nur am Rande um Al-Kaida. Das Internet ist der heimliche Protagonist – und die Versuche der Geheimdienste und Start-Ups es zu kontrollieren. Der wohl neueste Versuch ist „Deep Archer“, doch ob auf dieser Plattform, Geld gewaschen wird, Terroranschläge geplant werden oder all das nur Propaganda ist – bei Pynchon gibt es keine Antworten, nur Fragen – und eine bemerkenswerte Voraussage: Als „Bleeding Edge“ in den USA erschien, lagen Edward Snowdens Enthüllungen nur wenige Wochen zurück – und deckten sich mit Pynchons Science-Fiction-Visionen. Und so folgt man der Wirtschaftsdetektivin Maxine Tarnow in die Welt der Nerds und Agenten – und in die Geschichte des Internets, das als militärischer Rechencluster begann. Es sei von Anfang an böse gewesen und nie gebändigt worden, schreibt Pynchon und die Leseratte ahnt, es gibt leichtere Kost, aber wenige, die so nahrhaft ist.

Kennen sie die Frage, ob sie etwas wirklich erlebt oder nur gelesen haben? Wie bei Thomas Pynchon nie gelöst wird, was Realität und was Fiktion ist, kann auch unser Bewusstsein die Erfahrungen, die wir in einem Buch gemacht haben, manchmal nicht von den anderen trennen. In „Das achte Leben
(Für Brilka)“ schildert Nino Haratischwili in sieben Lebensläufen den Schrecken der vergangenen
Jahrhunderts und bannt ihn gleichermaßen in die Worte – Literatur hat eine magische Beziehung zu Formulierungen, als seien sie Zaubersprüche. Der letzte Abschnitt ist nach Brilka, der Adressatin des Buches benannt und besteht aus einer leeren Seite. Ein Buch als Erlösung, als Pilgerreise – und das Ende ist wieder offen...

In diesem Sinne: Viel Glück – ihr Reiseführer


Alexander Leseratte

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[Leseratte] 1000 Years of Annoying the French

Guten Tag meine Damen und Herren,

hier bin ich wieder. Ich der einzigartige Alexander Leseratte. Applaus bitte. Ich habe euch nämlich was
via stephenclarkewriter.com
mitgebracht: Eine Rezension.
Tja, was soll ich sagen. Es geht um ein wunderbares Büchlein über die englisch-französisches „Freundschaft“. Wobei es mit fast 700 Seiten eher ein Wälzer ist. Aber es geht ja auch um 1000 Jahre gegenseitiger Abneigung. Und das sogar noch historisch korrekt recherchiert. Schließlich sollten wir alle auch mal an unsere Bildung denken. Es kann ja nicht sein, dass hier immer nur leichte Kost gelesen wird. *grml*
Wo war ich? Ach ja. Beim rezensieren. Stephen Clarke reiht eigentlich einfach nur sämtliche größere und kleinere Probleme der Britisch-Französischen Geschichte aneinander. Beginnend mit der Eroberung Großbritanniens durch einen Normannen, der nicht so erfreut gewesen wäre als Franzose bezeichnet zu werden. Was allerdings auch in deutsche Geschichtsbücher gerne übersehen wird.
Am Ende geht es noch um einige kleinere diplomatische Verwicklungen der neueren Vergangenheit, aber nach Clarke’s Schilderung des zweiten Weltkriegs ist das schon fast langweilig.

Ich nehme das Buch definitiv mit in mein Nest.


Stephen Clarke,
1000 years of annoying the French
Taschenbuch, 688 Seiten
ISBN: 9780552775748

Seite des Autors

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[Leseratte] Oskar und die Dame in Rosa

In dieser Kategorie darf sich Alexander ausbreiten und über Bücher schreiben die er mir in den Bücherstapel geschmuggelt hat. Und auch über alles andere was er für wichtig hält. Es wird also eher mal was anderes hier zu lesen sein als auf dem Rest des Blogs. Aber nun Vorhang auf für:


Wird ja auch Zeit, dass ich meine eigene Kategorie bekomme. Schließlich würde hier ja sonst nie über wirklich gute Bücher gesprochen werden. Deswegen fange ich auch gleich mit einer Rezension an. Meine sind allerdings etwas anders aufgebaut (und kürzer!) als Lenas, aber das werdet ihr ja selbst bemerken. Außerdem entscheide ich nur ob mir ein Buch gefallen hat oder nicht. Entweder nehme ich es mit in mein Büchernest oder ich lasse es liegen.
Nun, heute geht es um "Oskar und die Dame in Rosa" von Eric-Emmanuel Schmitt.

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Ich, Alexander Leseratte...


Ihr kennt mich ja schon von den Post über englischen Büchern. Lena hat ja nichtmal den Anstand besessen mich richtig vorzustellen. Ungeheuerlich finde ich das! Aber jetzt ist sie ja erkältet und hat mir gesagt ich solle auf den Blog aufpassen...


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